Anmerkungen für eine rationale Energiepolitik in Deutschland nach Fukushima
Die simaps GmbH beschäftigt sich mit Sicherheitsuntersuchungen für laufende und zukünftige Energiesysteme.
In der zur Zeit laufenden Diskussion über die Stromversorgung in Deutschland wird häufig übersehen, daß es keine völlig risikofreien Energieträger gibt. Konkrete Zahlen wurden in einer Studie des Paul-Scherrer-Instituts von 1998 genannt. Abbildung 1 vergleicht verschiedene Schadensindikatoren für schwere Unfälle, jeweils bezogen auf die elektrische Energieerzeugung von 1Gigawatt-Jahr (=GWe* a). Für die Kernkraft sind drei Spalten angegeben: a) weltweit, b) OECD-Länder, c) nicht-OECD-Länder, wobei a) die Unfälle von TMI und Tschernobyl enthält, b) nur TMI, und c) nur Tschernobyl. Diese Zahlen zeigen, dass das Risiko aus der Kernkraft nicht grösser ist als das der anderen Energiequellen, wenn Versagen des Containments (der Tschernobyl-Fall) verhindert werden kann. Die Risikobeiträge von TMI (bei dem das Containment intakt blieb) sind vergleichbar oder sogar geringer als die von Kohle, Öl, Gas, LPG und Wasserkraft.
Deshalb wurden, als Antwort auf die Unfälle in TMI und Tschernobyl, in den 1990iger Jahren neue Reaktorkonzepte entwickelt, die die Auswirkungen von Kernschäden auf die Anlage begrenzen, indem die möglicherweise auftretenden Containmentlasten in die Auslegung einbezogen wurden. Ein Beispiel für diese Reaktorkonzepte der 3. Generation ist der EPR, der jetzt von AREVA in Finnland und Frankreich gebaut wird (Abb. 2). Diese neue störfallfeste Reaktorgeneration darf nicht mit den alten Anlagen in Fukushima gleich gesetzt werden.
Ursache der Unfälle in Fukushima ist eine Verkettung von Fehlern im kerntechnischen Sicherheitssystem in Japan, die in Deutschland nicht möglich ist:
- Ein sehr frühes Anlagendesign aus den USA wurde in den 60iger und 70iger Jahren übernommen, ohne es an die speziellen japanischen Gegebenheiten wie Erdbeben und Tsunamis angemessen anzupassen (Russland hat gefährdete kerntechnische Anlagen auf sichere Höhen über dem Meeresspiegel angehoben),
- nach dem derzeitigen Kenntnisstand wurden die Tepco-Reaktoren auch nach den Unfällen von TMI und Tschernobyl nicht nennenswert nachgerüstet (in einer Schweizer Anlage ähnlicher Bauart wurde Nachrüstung konsequent verwirklicht),
- ein Common-Mode-Versagen aller Notstromdiesel in vier Blöcken durch ein einziges auslösendes Ereignis (Tsunami) widerspricht den elementarsten Anforderungen einer probabilistisch gestützten Sicherheitsvorsorge.
Keiner dieser – und weiterer hier nicht diskutierten – Fehler ist auf Anlagen, Genehmigungsbehörden und Prüfinstitutionen in Deutschland übertragbar. Die Kerntechnik in Deutschland kann einen sicheren und nahezu CO2-freien Beitrag zur Stromversorgung leisten.
Den bedeutenden Beitrag der nuklearen Stromerzeugung zu einer guten CO2-Bilanz zeigt eine neuere Studie der IAEA, die sich mit der CO2-Intensität des Strommixes in verschiedenen Ländern befasst:
- Nuklearstrom ist praktisch CO2-frei, vergleichbar mir Wasserkraft (siehe Abb. 3),
- der Anteil von Kern- und Wasserkraft an der gesamten Stromerzeugung bestimmt die CO2-Intensität der nationalen Stromerzeugung (rote Balken in Abb.4).
Den geringsten CO2-Ausstoß haben deshalb in Europa die Länder Norwegen, Schweiz, Schweden und Frankreich. In Deutschland liegt er bei ca. 400 g CO2/kWh, was etwa viermal höher ist als in Frankreich! Die Beendigung der Kernenergie in Deutschland würde diesen Wert noch drastisch erhöhen. Die Kernkraftwerke in Deutschland sparen soviel CO2 ein wie der gesamte Verkehr emittiert, d.h. Ausstieg aus der nuklearen Stromversorgung würde in der nationalen CO2-Bilanz einer Verdoppelung des Verkehrsaufkommens entsprechen.
| Abbildung 1 | Abbildung 2 | |
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| Abbildung 3 | Abbildung 4 | |
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